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Kurzgeschichten

Flussgespräche

Flussgespräche

Hier am Flussufer ist es ruhig. Ich genieße die Sonne, die mir ins Gesicht scheint. Auf einer Parkbank sitzend lasse ich meine Füße durch das struppige Gras streifen und lausche dem fröhlichen Geplätscher des Wassers. Die Geräusche von dem angrenzenden Gehweg hinter mir schalte ich ab, es sind nur beiläufige Wortfetzen, die an mir vorüberziehen.

So schnell diese da sind, so schnell sind sie auch wieder nur ein entfernter Laut, dem man keine Worte entnehmen kann. Schritte nähern sich und entfernen sich wieder. Als die nächsten Schritte über das Wasserrauschen hinweg zu hören sind, erwarte ich auch hier deren kontinuierlichen Abklang, doch sie kommen irgendwo hinter mir zum Stillstand und sind nun nicht mehr zu hören. Mein Blick weiter auf den Fluss gerichtet lausche ich konzentriert, was hinter meinem Rücken passiert.

„Ich verstehe nicht, warum du so distanziert bist.“ Eine Frauenstimme. Entweder sie hat mich hier nicht sitzen sehen oder sie denkt es ist trotz meiner Anwesenheit der perfekte Ort, um ein schwieriges Thema anzusprechen.

„Kannst du mir sagen, warum du nie da bist, wenn du es versprichst, warum wir den schönsten Tag miteinander verbringen und du mich anschließend tagelang ignorierst?“ Wieder die Frau. Ihre Stimme ist herzzerreißend. Eine Art Schmerz klingt darin mit und lässt sie leicht zittern, sodass sie gebrechlich wirkt. Das Rauschen des Flusses ist für mich nebensächlich geworden. Ich will wissen, wie es weitergeht.

Obwohl ich ihre Gefühle nicht nachvollziehen kann. Ich führe eine aufrichtige und ehrliche Beziehung mit meinem langjährigen Freund. Er führt mich regelmäßig aus, schenkt mir Blumen, überrascht mich mit spontanen Dates und meinem Lieblingsessen. Und das auch nach etlichen Jahren noch, die wir miteinander bis jetzt verbracht haben.

„Warum antwortest du mir nicht?“ Sie klingt mittlerweile verzweifelt und ich fühle mit ihr mit. Dann höre ich wieder Schritte hinter mir und drehe mich aus Neugier um. Sie stehen da und küssen sich. Sie steht mit dem Rücken zu mir, daher sehe ich nur ihren blonden Hinterkopf und seinen braunen Haaransatz.

Vielleicht bleibt ihr der Herzschmerz somit erspart. Dafür bricht mein Herz, als sie sich schließlich voneinander lösen und ich sein Gesicht sehe. Es ist mein Freund.